Zukunftsforum

Idee Nr.9

Antischuldenprogramm

Ein Antischuldenprogramm für Ebnat-Kappel
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Geld spielt in unserer Gesellschaft und Wirtschaft eine entscheidende Rolle. Der Umgang mit Geld prägt unser Denken und Handeln und versklavt den Menschen, unabhängig davon, wie viel Geld er besitzt.

-Der Reiche steht in Gefahr, der Habgier zu erliegen. Er kann geschickt Geld investieren, um noch reicher zu werden. Der Aktienhandel steht ihm offen und damit die Aussicht auf leichten Gewinn. Der Reiche kann Kapital ausleihen und dafür Zinsen bekommen. Sein Geld vermehrt sich durch Gewinn und Zinsen. Es entsteht eine Spirale des Wachstums und der Geldvermehrung, die nie endet. Die Gedanken des Reichen kreisen ums Geld, um Anlagestrategien und um Angst vor Kapitalverlust. Einerseits gewinnt er, ohne wirklich dafür arbeiten zu müssen und steht damit in der Gefahr der Verschwendungssucht. Andererseits aber kann er sich auch mit Wertpapieren verspekulieren und durch den finanziellen Absturz in eine nun spürbare Sinnkrise geraten. Geld prägt seinen Lebensinhalt.

-Der Arme leidet unter dem Problem der Verschuldung und Überschuldung. Er ist finanziell versklavt durch die Zinsen, die er bezahlen muss. Er muss im Extremfall nur noch arbeiten für seine Schuldzinsen (bei gleich bleibender Schuldenlast). Die Gedanken des Armen sind damit beschäftigt, den Ausstieg aus der Verschuldung zu schaffen oder Geld zu finden, um umschulden zu können. Oder der Arme hat in seinen unüberwindbaren Schulden resigniert und wurstelt sich durchs Leben mit Methoden, die fragwürdig sind (Schwarzarbeit, Betrügereien, Diebstahl). Auch beim Armen kann sich alles um Geld kreisen - ums fehlende Geld.

Das Anti-Schulden-Programm verfolgt das Ziel, die moderne Versklavung des Menschen ans Geld zu beenden, indem Reiche und Arme eng zusammenarbeiten.

Der Reiche legt sein Geld nicht mehr gewinnbringend in Wertschriften, Aktien oder Fonds an, sondern stellt es gratis als zinsloses Darlehen zur Verfügung. Weil er nicht mehr der Habgier verpflichtet sein will, lässt er sein Geld nicht mehr für sich arbeiten, sondern setzt es freiwillig für die Entschuldung anderer ein!Der Arme ist bereit, seine Schulden abzuzahlen und auf neue Schulden zu verzichten. Die Entschuldung geschieht in zwei Schritten: Durch den Erhalt eines zinslosen Darlehens kann er sich aus der Abhängigkeit von fragwürdigen Finanzinstituten befreien und dadurch eine Menge Schuldzinsen und Administrativkosten sparen. Diese können den Schuldner jährlich mit 10-30% des Darlehens belasten. In einem zweiten Schritt zahlt er in monatlichen Raten das zinslose Darlehen zurück. Ziel ist es, Schulden durch Rückzahlung zu sanieren.
Diese Schuldensanierung durch ein Anti-Schuldenprogramm existiert in dieser Form bereits in Ebnat-Kappel. Doch es könnte ausgebaut werden durch einen Verein, der drei Aufgaben übernimmt: Er bringt Geldgeber und Geldempfänger auf privater Basis zusammen, ermöglicht und begleitet entsprechende Abzahlungsverträge und organisiert eine effiziente Schuldenberatung. Die Schuldenberatung ist dabei von entscheidender Bedeutung. Sie ist nur möglich auf der Basis einer schonungslosen, wenn auch vertraulichen Offenlegung der finanziellen Situation und der Erstellung eines realistischen Budgets. Ein solches Antischuldenprogramm würde mittelfristig zur Bewältigung unserer lokalen Schuldenkrise beitragen können. Wir müssen neue Wege gehen in der Entschuldung unserer Mitmenschen und Nachbarn.

Schulden verschwinden nicht einfach: Jemand muss sie immer bezahlen. Der staatliche Weg, der aktuell global beschritten wird, erscheint einfacher, weniger schmerzhaft und verlockender: Die Notenbank druckt einfach Geld, das sie nahezu zinslos auf den Markt wirft, um den Konsum auf Pump anzuheizen. Da das Geld aber keinem wirklichen Gegenwert mehr entspricht, ist die Folge davon eine Inflation. Diese wird im Moment durch immer mehr staatlichen Geldeinschuss noch verhindert und damit in die Zukunft verschoben. Doch eines Tages wird die absehbare Inflation dem Besitzenden sein Geld wegfressen und den Armen nicht freier machen. Wir können in Ebnat-Kappel die globale Schuldenkrise nicht lösen, aber wir können einen anderen Umgang mit unserem Geld und unseren Schulden pflegen und einander freisetzen für etwas Wichtigeres als Geld.

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