Zukunftsforum

Idee Nr.1

Begleitetes Wohnen im Dorfzentrum

1. Ausgangslage: Altersleitbild von 2011
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Das Altersleitbild von Ebnat-Kappel wurde in seiner definitiven Form am 26.09.2011 verabschiedet. Es basiert auf der Auswertung von 963 ausgefüllten Fragebögen und darf daher mit Recht als repräsentativ für die Meinung unserer Dorfbevölkerung angesehen werden.

Etwas mehr als die Hälfte der Befragten bevorzugen betreute Alterswohnungen im Falle eines Umzuges aufgrund altersbedingter Einschränkungen. Damit bestätigt sich die allgemeine Entwicklung auch in Ebnat-Kappel, nämlich die Ablösung des traditionellen Altersheimes durch die Wohnform „Betreutes Wohnen“. Diese Wohnform wird auch zunehmend wichtiger im Vergleich zu normalen (unbetreuten) Alterswohnungen. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Nachfragesituation in Ebnat-Kappel für betreute Alterswohnungen auf einer stabilen Basis steht.

Das Altersleitbild stellt fest, dass es im Rahmen des Lebens- und Sozialraumes immer darum geht, die Bereiche Wohnen im Alter, Dienstleistungen im Alter und Pflege im Alter zusammen zu bringen. Zentrumsnaher Wohnstandort ist das Hauptkriterium beim Wohnen im Alter.

2. Wirtschaftliche Perspektiven
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Die Bevölkerung im Toggenburg bleibt zahlenmässig stabil. Im Raume Wattwil/Ebnat-Kappel wurde und wird weiterhin aber sehr viel gebaut. Denken wir nur an die Wohnüberbauungen Rietwies, Ulisbach und Bahnhof Wattwil und in Ebnat-Kappel an die Überbauung Ackerwiese, die Zentrumsüberbauung, den Belcolorpark etc. und die vielen privaten, neuen Einfamilienhäuser. Dieses Überangebot an neuem Wohnraum hat Folgen:

Es werden nicht alle Neuwohnungen vermietet werden können. Ältere Menschen bleiben länger in ihren angestammten Häusern, weil sie diese nicht weiterverkaufen können infolge des hohen Rennovationsbedarfes. Aus finanziellen Gründen wird daher ein Eintritt ins Altersheim Wier hinausgeschoben werden müssen. Ein Umzug in die Alterssiedlung Gill bietet älteren Menschen – abgesehen von der zentralen Lage – keine weiteren Vorteile, insbesondere nicht im Hinblick auf eine pflegerische Betreuung/Begleitetes Wohnen.

Für die Pflegekosten im Alters- und Pflegeheim Wier kommen in erster Linie die Heimbewohner selber auf mit bescheidener Unterstützung durch die Krankenkassen. Die verbleibenden Kosten müssen jedoch von der öffentlichen Hand finanziert werden. Die Alters- und Pflegeheime werden in der jetzigen Struktur nicht mehr rentabel geführt werden können, sondern zunehmend die öffentliche Hand der politischen Gemeinde belasten. Oder anders gesagt: Das Pflegeheim bleibt buchhalterisch zwar scheinbar rentabel, aber nur weil der Gemeindehaushalt über die Sozialhilfe das Defizit der einzelnen Heimbewohner bezahlt. Die Rentabilität erfolgt damit durch Kostenverschiebung innerhalb des Dorfes!

3. Standort der neuen Pflegeheim-Abteilung (APH Wier)
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Gemäss Altersleitbild wünscht der ältere Mensch begleitetes Wohnen im Zentrum. Dies bedeutet folgendes:

-Eigene kleine, Rollator gängige Wohnung mit Kochgelegenheit
-Geschützte Privatsphäre
-Migros, Coop, Bank und Kiosk mit dem Rollator selbstständig erreichbar
-Rund um die Uhr während 24 Stunden pflegerische Hilfe abrufbar
-Bei Wunsch Einkauf von Dienstleistungen (Wäscheservice, Wohnungsreinigung, Einkäufe etc.)
-Verpflegungsmöglichkeit für die Hauptmahlzeit hausintern oder ganz in der Nähe

Wenn die Möglichkeiten des Begleiteten Wohnens ausgeschöpft sind, bleibt nur noch der Eintritt ins Pflegeheim, aber kaum ins Altersheim, da dort gegenüber dem Begleiteten Wohnen keine Mehrleistungen angeboten werden!

Begleitetes Wohnen hat seinen Preis. Die Wohnungsmiete wäre sehr hoch, wenn damit auch der Lohn von Pflegefachpersonen finanziert werden müsste, die nur auf Abruf da wären - also mehrheitlich unterbeschäftigt. Die Lohnkosten müssen durch Synergie-Effekte vermindert werden.

Aus finanziellen Gründen ist es unumgänglich, dass Begleitetes Wohnen mit einer Pflegeabteilung in der Nähe kombiniert wird. Die Nachtdienstleistende Pflegefachperson der Pflegabteilung kann dann im Bedarfsfall gerufen werden, wenn im Begleiteten Wohnen pflegerische Hilfe nötig wird. Und nur diese Hilfe fällt dann kostenmässig an.

Da Begleitetes Wohnen nur im Dorfzentrum sinnvoll ist, liegt die Schlussfolgerung nahe, dass eine Erweiterung des Pflegeheims im Wier am Rande des Dorfes nicht zielführend ist. Die neue Pflegeabteilung soll ebenfalls im Zentrum entstehen, damit die notwendigen Synergien zum Begleiteten Wohnen möglich sind. Begleitetes Wohnen und neue Pflegeabteilung gehören zusammen.

4. Schlussfolgerungen
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-Begleitetes Wohnen im Zentrum entspricht dem geäusserten Bedürfnis der Bevölkerung.
-Begleitetes Wohnen entlastet die Finanzen der politischen Gemeinde: Ein Eintritt ins Pflegeheim wird hinausgeschoben und eine Reduktion der durch die öffentliche Hand finanzierten Pflegetage erreicht.
-Eine neue Pflegeabteilung des Wier muss aus Synergiegründen als Aussenabteilung im Dorfzentrum gebaut werden.
-Wird diese Synergie nicht berücksichtigt, dann ist Begleitetes Wohnen im Zentrum aus finanziellen Gründen nicht machbar.

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